Gehören zu den ersten jungen Leuten, die in Hauzenberg das Bachelor-Studium Wirtschaftsingenieurswesen absolvieren: Matthias Rauecker und Andreas Eder.

Bachelor-Studium im Landkreis Passau

Gudrun Donaubauer, Bürgermeisterin von Hauzenberg, „mag Happy Ends“. Und ein solches wurde am Freitag, 12. Mai, gefeiert: Mit der offiziellen Eröffnung des „Digitalen Studienstandorts“ in Hauzenberg wurde die Bewerbung der Stadt vom Erfolg gekrönt. Damit  ist Studieren nicht nur in Passau, sondern erstmals auch im Landkreis Passau möglich. Die Hochschule Landshut bietet ein Bachelor-Studium „Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Energie und Logistik“. pa-ck-mas.de hat den Studiengang und die Bedingungen bereits vor der Präsentation im Januar 2016 vorgestellt. Hier gibt’s mehr Details.

Bachelor-Studium und Beruf

Sieben junge Männer im Alter zwischen 19 und 37 Jahren haben im März ihr Studium in Hauzenberg aufgenommen. Es ist berufsbegleitend, was zwar anstrengend und freizeitraubend ist, aber berufliche Zukunftsperspektiven bietet, wie drei Studierende bestätigen:

Digitales Studieren in Hauzenberg, Eröffnung am 12. Mai 2017

Prof. Dr. Karl Stoffel (l.), Präsident der Hochschule Landshut, hält selbst auch in Hauzenberg Vorlesungen. Lockere Atmosphäre mit den drei Studierenden des ersten Semesters (von rechts): Matthias Rauecker, Florian Beer und Andreas Eder.

Florian Beer ist 37 Jahre alt, arbeitet als Rohrnetzmeister, ist verheiratet, hat zwei Kinder und hat sich wegen der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten für das digitale Bachelor-Studium entschieden. Sein Vorteil: „Ich wohne gleich um die Ecke“, lacht der Hauzenberger.

Nach dem Abitur hatte Andreas Eder (20, Bild oben, hinten) aus Wotzdorf bei Hauzenberg, eigentlich schon mit dem Studium an der Hochschule Deggendorf begonnen. „Aber ich wollte daheim sein, um auch Zeit für meine Hobbys zu haben“, erklärt er, warum er bei der Firma Bachl eine Ausbildung zum Industriekaufmann anfing und sofort berufsbegleitend ins Studium einstieg.

Die „persönliche Weiterentwicklung und beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten“ waren es, die Matthias Rauecker (27, Bild oben, vorne) bewogen haben, sich fürs Bachelor-Studium anzumelden. Der gelernte Industriemechaniker hat bereits eine Projektleitung bei der ZF und will als „Bachelor of Engineering“, das ist der akademische Titel, der nach dem erfolgreichem Abschluss verliehen wird, die Karriereleiter weiter kommen.

Gemeinsam studieren

Nach knapp zwei Monaten können die drei Studierenden schon bestätigen, dass das berufsbegleitende Studium freilich Zeit in Anspruch nimmt. „Nach dem Präsenztag die Tasche in die Ecke stellen, das funktioniert nicht“, beschreibt es Florian Beer. Die Studenten müssen zwar Eigeninitiative zeigen, sich abends hinsetzen und sich Skripte aus dem Internet holen oder per Video Vorlesungen hören, sind aber keine Einzelkämpfer. Alle zwei Wochen findet ein Präsenztag statt – meistens samstags -, außerdem haben die Studierenden schon Lernkreise gebildet, um gemeinsame zu büffeln oder sich bei schwierigen Aufgaben weiter zu helfen.

„Wir können Studienort“

„Wir können Studienort“, bekräftigte Hauzenbergs Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer somit vor vielen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft. Dazu hat sich die Stadt auch ins Zeug gelegt, ein verfallenes Anwesen mitten in der Stadt, gleich gegenüber des Rathauses gekauft, eine Million Euro investiert und zu einem modernen Studienort umgebaut, den nun die Hochschule Landshut angemietet hat.

Digitales Studieren in Hauzenberg, Eröffnung am 12. Mai 2017

In Anwesenheit vieler Gäste aus Politik und Wirtschaft wird der Digitale Studiengang in Hauzenberg eröffnet. Der Saal dient übrigens der Stadt Hauzenberg künftig auch als Trauungszimmer.

Bei der Idee, sich als Studienstandort zu bewerben, hatte sich „kraftvolle Unterstützung gefunden“, wie Donaubauer sagte, allen voran die Hochschule Landshut, die diesen digitalen Studiengang entwickelte. Es gibt neue Lehrmaterialien, studiert wird online aber auch vor Ort, wie Koordinator Sebastian Gebauer erklärte.

Einen „Leuchtturmprojekt der Bildungspolitik“ nannte Landrat Franz Meyer den Studienort Hauzenberg, der „Bildungs- und Zukunftschancen“ für junge Leute im Landkreis Passau bietet. Meyer dankte allen Abgeordneten, die die Bewerbung unterstützt hatten, und besonders der Hochschule Landshut mit Präsident Prof. Dr. Karl Stoffel, der übrigens gleich am nächsten Tag die Präsenzvorlesung für die Studierenden des ersten Semesters hielt.

„Bekenntnis zur Region“

Das digitale Studium als wichtiger Bestandteil der Bildungspolitik des Freistaats erklärte Bernd Sibler, Staatssekretär für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Das Angebot einer akademischen Ausbildung „außerhalb der Universitätsmauern“ sei ein weiterer Schritt zur Chancengerechtigkeit und ein „Bekenntnis zur Region“, ohne dabei freilich die Exzellenzstandorte wie München, Nürnberg oder Regensburg zu vernachlässigen.

Noch nie, lobte Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel, sei in so kurzer Zeit ein Lehrort errichtet worden. Der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen basiert auf Austausch und Präsenz, „eine spannende Kombination“, so Stoffel über das moderne Konzept. Dabei sind die Studierenden, die allesamt ihren Berufen nachgehen, einerseits auf sich allein gestellt, rufen Zuhause Aufgaben oder Lehrvideos ab. An den Präsenztagen finden die Vorlesungen abwechselnd am Studienort Hauzenberg und Straubing statt. Das heißt: Auch die persönliche Betreuung der Studierenden kommt nicht zu kurz.

Das Studium wurde in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften München erarbeitet, dessen Vizepräsident Prof. Dr. Klaus Kreulich die Möglichkeiten wie vernetzte Seminare ansprach. Heißt: Referenten halten per Videoschaltung ihre Vorlesungen, ohne weite Anreisen in Kauf nehmen zu müssen. Und die Studenten in Hauzenberg befinden sich im Hörsaal wie an einer normalen Universität oder Hochschule.

Sieben Studierende gibt es jetzt in Hauzenberg. Der nächste Studiengang beginnt im März 2018. Wer sich für das berufsbegleitende Studium interessiert: Unter www.digitales-studieren.bayern gibt es ausführliche Informationen über die Zulassungsbedingungen, man kann sich aber auch bereits Lehrvideos, die von der Hochschule Landshut aufwendig produziert werden, ansehen oder Testaufgaben lösen.

Ansprechpartner sind Sebastian Gebauer (Koordinator Landshut) sowie Andreas Scholz (Koordination Hauzenberg). Die Studienleitung hat Prof. Andrea Badura.

Übrigens: Weil der digitale Studienort ja nicht täglich gebraucht wird, gibt es eine Mehrfachnutzung: Der Saal mit Alpenblick, in dem die Eröffnungsfeier stattfand, ist jetzt Trauungsraum der Stadt Hauzenberg.

Digitales Studieren Bayern, Bachelor-Studium in Hauzenberg

Der Studienort mitten in Hauzenberg: Gleich gegenüber des Rathauses befindet sich die digitale Hochschule.


Regina Ehm-Klier

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