Einmalige Konstellation, um Arbeitsplätze in die Region zu bekommen. Bei der Übergabe des Zuschussbescheids: Wolfgang Globisch, Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft, MdL Walter Taubeneder, Markus Lindmeier, 2. Bürgermeister von Ruhstorf, Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Landrat Franz Meyer und Tim Dawidowsky, Leiter der Geschäftseinheit Large Drives, Siemens. © R. Ehm-Klier, pa-ck-mas.de

Gemeinsam für neue Arbeitsplätze

Landkreis Passau und Markt Ruhstorf tun sich zusammen, das Bayerische Wirtschaftsministerium schiebt an und auch die Siemens AG ist mit an Bord, um neue Arbeitsplätze in den Landkreis Passau zu bekommen. Die Vermarktungsgesellschaft haben Markt und Landkreis bereits gegründet. Mit dem Förderbescheid über 260 000 Euro, den Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer heute (Dienstag, 18. April) überbrachte, wurde der Startschuss gegeben, frei werdende Flächen auf dem Siemens-Gelände (ehemals Loher) in Ruhstorf mit neuem Leben zu füllen. Und auch Tim Dawidowsky, Leiter der Geschäftseinheit Large Drives der Siemens-Division Process Industries and Drives, hatte gute Nachrichten. Nicht nur, dass Siemens sich mit einem Zukunftsfonds an der Ansiedlung neuer Arbeitsplätze bzw. der Übernahme von Siemensianern beteiligt, Dawidoswky sagte auch: „Ruhstorf bleibt Siemens-Standort.“ Eine Botschaft, auf die Ruhstorf und die Region lange gewartet haben.

Ersatz für Siemens-Arbeitsplätze

Denn vor diesen guten Nachrichten kam eine sehr schlechte: Vor einem Jahr kündigte Siemens an, 700 der etwa 1200 Arbeitsplätze in Ruhstorf zu streichen. Die Zahl hat sich mittlerweile auf 560 verringert. Doch auch das sind noch viele Einzelschicksale. Die jetzt vorgestellte Lösung soll helfen, die Menschen wieder in Lohn und Brot zu bekommen, ihnen „Perspektiven zu geben“, so Dawidowsky.

Noch heute erinnern sich Landrat Franz Meyer und Ruhstorfs zweiter Bürgermeister Markus Lindmeier an den „Schock“ über die Nachricht des massiven Stellenabbaus. Die Region lief Sturm, das Wirtschaftsministerium schaltete sich ein, sogar Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser kam nach Ruhstorf, um die Entscheidung zu erklären.

Auch Tim Dawidowsky sprach jetzt noch von einer „schmerzlichen Entscheidung“, die allerdings betriebswirtschaftlich unausweichlich gewesen sei, um den Standort Ruhstorf zu sichern, der nun als „Kompetenzzentrum für Windkraft und druckfeste Hochspannungsmotoren“ von Siemens erhalten bleibt.

Zukunftsfonds von Siemens

Siemens hat einen „Zukunftsfonds“ für Ruhstorf eingerichtet und bereits zwei Mitarbeiter abgestellt, die ansiedlungswillige Unternehmer oder Investoren betreuen. In einer Auffanggesellschaft sollen Mitarbeiter für die neuen Aufgaben speziell qualifiziert werden. Zusammen mit der Vermarktungsgesellschaft, gegründet von Markt Ruhstorf und Landkreis Passau, will man sich außerdem um Arbeitsplätze bemühen, ausdrücklich um neue Firmen, egal ob kleine oder mittelständische Unternehmen, auch Großunternehmen werden nicht ausgeschlossen, betonte Siemens-Manager Dawidowsky.

„Koffer voller Förderinstrumente“

Das sieht dann so aus, dass sich Unternehmen in den Hallen, die Siemens nicht mehr benötigt, einmieten. Je nach Branche gibt es Mietzuschüsse oder eine Anschubfinanzierung von Siemens, der Konzern zahlt sogar Prämien, wenn dann ehemalige Mitarbeiter qualifiziert und übernommen werden. Das Wirtschaftsministerium wiederum gibt nicht nur einen einmaligen Zuschuss für die Vermarktungsgesellschaft von 260 000 Euro, sondern hat für ansiedlungswillige Unternehmen je nach Branche und Größe einen „ganzen Koffer voller Förderinstrumente parat, die wir auspacken können“, versprach Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer.

Förderbescheid Vermarktungsgesellschaft Ruhstorf

Das ist der Förderbescheid zur Vermarktung des Landkreises Passau mit besonderer Berücksichtigung der Marktgemeinde Ruhstorf a. d. Rott.

Landrat Franz Meyer nennt diese Konstellation „einmalig in Bayern“, betonte aber gleichzeitig, dass er solche Schritte vom Konzern auch erwartet habe. Der Industriepark, den Siemens auch betreibt und vermietet nannte  Dawidowsky „beispiellos in der Siemens AG“. Ansiedlungswillige Interessenten gebe es bereits, er verriet aber keine Details.

Ansprechpartner für Interessenten am Industriepark Ruhstorf ist Wolfgang Globisch, Sachgebietsleiter Kreisentwicklung am Landratsamt Passau und Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft, der ebenfalls bei der Übergabe des Förderbescheids dabei war. Seine Aufgabe ist es nun, auf den interessanten Standort Ruhstorf aufmerksam zu machen. Die Homepage ist bereits in Arbeit, Siemens ist mit Kontakten behilflich, unter anderem auf Messen will die Vermarktungsgesellschaft die Vorteile des Standortes herausstellen.

Wer schließlich neuer Mieter in der Hans-Loher-Straße in Ruhstorf wird,  das entscheidet ein Gremium, das „paritätisch besetzt ist“, wie Tim Dawidowsky erklärte. Siemens habe im Vergabegremium mit Landkreis und Markt eine Stimme.

Günstiger leben und arbeiten

Für Staatssekretär Franz Josef Pschierer ist die Förderung der Vermarktungsgesellschaft auch ein Beitrag, das Image der Region zu verbessern, „was nicht heißt, dass das Image des Landkreises Passau schlecht ist“, beteuerte er. Allerdings weiß Pschierer auch, dass Unternehmen, die sich für Bayern interessieren, oft München, Nürnberg oder vielleicht noch Augsburg meinen und dabei die Attraktivität ländlicher Regionen verkennen. Auch hier gebe es gleichwertige Bedingungen, so Pschierer, erinnerte an die Breitbandversorgung, die Hochschulen, die überall in den Regionen eingerichtet wurden, die Forschungseinrichtungen. Und: Ländliche Regionen haben mehr als das zu bieten, nämlich weit günstigeren Lebensraum als die Ballungszentren und dazu qualifizierte Leute.

Das konnte Landrat Franz Meyer nur bekräftigen. Er freute sich, dass der Freistaat mit dieser Förderung „Flagge für die Region zeigt“.

Im Bild bei der Übergabe des Förderbescheids: Wolfgang Globisch, Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft, MdL Walter Taubeneder, Markus Lindmeier, 2. Bürgermeister von Ruhstorf, Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer, Landrat Franz Meyer und Tim Dawidowsky, Leiter der Geschäftseinheit Large Drives, Siemens. © R. Ehm-Klier, pa-ck-mas.de


Ansprechpartner: Wolfgang Globisch, +49 851 397 373, E-Mail: wolfgang.globisch@landkreis-passau.de


Regina Ehm-Klier

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