Museumsdorf Bayerischer Wald

Ein Fall fürs Museum: der Holzwurm

Über die Jahrzehnte stellte man fest, dass der Holzwurmbefall in den Gebäuden und an den Gerätschaften eine kritische Grenze erreicht hatte. Daher mussten geeignete konservatorische Maßnahmen ergriffen werden.

Museumsdorf Bayerischer Wald, Tittling

Georg Höltl, der Begründer von Rotel Tours, wurde 1973 auf die über 500 Jahre alte Rothaumühle aufmerksam. Er kauft die Mühle und restaurierte sie. 1974 eröffnete er in ihr ein Heimatmuseum. Dies war die Keimzelle für das Museumsdorf Bayerischer Wald, das in 25 Jahren Bauzeit entstand. Über 150 Gebäude sowie der zugehörige Hausrat und Gerätschaften wurden in das Museumsdorf übertragen und nach dem Vorbild historischer Ortsansichten wieder aufgebaut. Sie vermitteln einen Eindruck von den unterschiedlichen Siedlungsstrukturen des Bayerischen Waldes. Die Gebäude stammen aus der Zeit von 1580 bis 1850. Das Museumsdorf ist eingetragen in die Liste „National wertvolles Kulturgut“.

Konservatorische Maßnahmen

Im Museumsdorf werden – in Kooperation mit der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Institut für Holzbiologie und Holzschutz in Hamburg, Dr. Uwe Noldt – zwei Verfahren der Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Dr. Noldt ist führend in der Ökologischen Holzwurmbekämpfung im Bereich Denkmalpflege und Restaurierung.

Bei der Ökologischen Schädlingsbekämpfung dringt bei einer Temperatur von 55 Grad Celsius die Hitze bis in den Kern des Holzes vor und zerstört dabei alle Eiweißmoleküle, also Holzwürmer und andere Schädlinge. Ein Klimaaggregat steuert während des in der Regel ca. drei Tage dauernden Prozesses Temperatur und Luftfeuchte in der Kammer. Dieses Verfahren findet vor allem bei Gerätschaften und Hausrat seinen Einsatz.

Für große Holzobjekte ist eine Heißluftbehandlung in der Thermokammer nicht möglich. Deshalb werden die Gebäude unter einem Zelt begast im sogenannten Altarion-Viklean-Verfahren. Dafür werden die Objekte mit Spezialplanen komplett eingepackt. Die Bekämpfung von Holzschädlingen mit dem Gas Sulfluryldifluorid ist ein gängiges und bewährtes Verfahren und wird auch bei der Begasung von Kircheninnenräumen eingesetzt. Das Gas wird später rückstandslos abgesaugt.

In den vergangenen Jahren wurden über 50.000 Holzobjekte aus dem Bestand des Museumsdorfes mit dem thermischen Verfahren behandelt. Alle befallenen Gebäude sind aktuell holzwurmfrei.

Forschung und Entwicklung:

Kooperation mit Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Hamburg

http://www.museumsdorf.de

Dr. Noldt, Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Institut für Holzbiologie und Holzschutz, Hamburg:

Ich habe großes Interesse, Bekämpfungsmethoden gegen den Holzwurm unter realen Bedingungen (nicht Laborbedingungen) zu untersuchen. Ich will außerdem, Studierende in meine Arbeit (z. B. ganzjähriges Monitoring im Rahmen einer Diplomarbeit) mit einbeziehen. Die denkmalgeschützten Gebäude im Museumsdorf – zwischen 500 und 100 Jahre alt, mit verschiedenen Hölzern und sehr unterschiedlichem Schädlingsbefall – eignen sich bestens für meine Forschungen.

Peter Höltl, Inhaber:

Vor 15Jahren zeigte sich im Museumsdorf Bayerischer Wald ein besorgniserregender, zum Teil bestandsgefährdender Schädlingsbefall an den 150 überwiegend aus Holz bestehenden Museumsgebäuden und etwa 50.000 Holzgegenständen. Interessiert an einer modernen, kostengünstigen und umweltfreundlichen Schädlingsbekämpfung – ohne Holzschutzmittel und ohne Gift – kam der Kontakt mit Dr. Uwe Noldt zustande .

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