Schnapsempfang bei „Landrat trifft Wirtschaft“ im liebevoll eingerichteten Geschäft der Edelobstbrennerei (v.l.): Alfons Buchner und Eva-Maria Kelch von der Agentur für Arbeit, Leitender Regierungsdirektor Klaus Froschhammer, Landrat Franz Meyer, Roland und Andrea Braun sowie Ortenburgs Bürgermeister Stefan Lang. © pa-ck-mas.de

Brennen für edle Brände

Gut, dass Andrea Braun irgendwann Ende der 90er Jahre etwas von einem Mostkurs in Ortenburg las und ihrem Mann davon erzählte. Der erinnerte sich ans Mosten mit dem Großvater, und dass er das Wissen eigentlich mal wieder auffrischen wollte. Es war der Beginn eines Hobbys, das für die ganze Familie Braun mittlerweile Profession ist – die Herstellung von Edelobstbränden. Dank hoher Ansprüche ans Rohmaterial und einem guten Näschen beim Brennen sind ist Braun heute in der Spitzengastronomie der Region und selbst in Australien eine Marke.

Marke der Spitzengastronomie

Auch Landrat Franz Meyer hat schon Braun Edelbrände als Spezialität verschenkt, und freilich ist Ortenburgs Bürgermeister Stefan Lang stolz, „auf diesen Werbeträger für die ganze Gemeinde“. Doch wenn Roland Braun von der Kunst des Brennens erzählt, staunen sie doch über die Ansprüche, die die Brauns an sich und ihre Produkte stellen.

„Am Anfang haben einige gemeint, das ist eine Obstverwertung“, erinnert sich heute Roland Braun an die Anfangszeiten zurück. Denn um überhaupt eines von deutschlandweit 33 000 Brennrechten von den Zollbehören zu bekommen, muss  unter anderem ein Obstbaumbestand nachgewiesen werden, „um das Brennrecht bedienen zu können“, erzählt der Fachmann, der sich   in der Lehr- und Versuchsanstalt Hohenhau ausbilden ließ.

Das Obst macht den Edelbrand

Gleich vom Start weg, das war 1997, machte der Neu-Brenner klar: hier wird Obst veredelt, weshalb er manche Lieferung ablehnen musste.  Denn die Qualität Rohstoffs Obst sei „zu 80 Prozent“ daran beteiligt, dass am Ende der Schnaps den Namen Edelbrand verdient. Da darf keine Frucht angeschlagen sein, die Ernte darf nicht überreif, aber auch nicht zu früh gepflückt worden sein. Dann muss das Obst zum richtigen Zeitpunkt „gemaischt“, also verarbeitet und in die Fässer gefüllt werden, weshalb die Brauns zum Beispiel ihren Marillen, die sie beim Obstbauern ihres Vertrauens in der Wachau kaufen, keine lange Fahrt zumuten, „wir maischen noch vor Ort“, erzählt Roland Braun vom Aufwand.

Auch andere Details, zum Beispiel, dass 28 Kilogramm Williamsbirnen gepresst und verarbeitet werden müssen, um am Ende einen Liter Brand zu bekommen, faszinierten die Besucher jüngst in der Hofbrennerei, diesmal Ziel von „Landrat trifft Wirtschaft“.

“Landrat trifft Wirtschaft”

Landrat Franz Meyer reist unter diesem Motto mehrmals im Jahr in Begleitung einer Delegation zu Top-Betrieben der Region, um einerseits die wirtschaftlichen Stärken vor Ort in den Blickpunkt zu rücken, aber auch, um Wünsche oder Anregungen aufnehmen zu können. In Brunndobl (Gemeinde Ortenburg) interessierten sich Leitender Regierungsdirektor Klaus Froschhammer sowie die Arbeitsagentur mit stellvertretender Leiterin Eva Maria Kelch und Alfons Buchner vom Arbeitgeberservice für die Kunst des Brennens. Zurzeit bekommen sie hier noch nichts zu tun.

Reine Familiensache

Denn die Edelbrennerei Braun ist noch reine Familiensache: für Roland (52) Braun ist sie immer noch „Hobby“, wenngleich er seinen Hauptberuf, Geschäftsstellenleiter der Sparkasse in Ortenburg, schon reduziert hat. Seine Frau Andrea (52) hingegen hat ihren Job bereits quittiert, ist für den Vertrieb zuständig, die Abwicklung der Online-Bestellungen, die immer häufiger kommen, und sie hat den Hofladen liebevoll eingerichtet.  Der ist mittlerweile Kundenmagnet, auch für Touristen aus dem nahen Bäderdreieck.

Groß die Werbetrommel rühren, müssen die Brauns nicht, „es läuft sehr viel auf Empfehlung“, weiß  Andrea Braun, dass ihr Produkt überzeugt. So kam auch der Kontakt über Arco-Bräu in Moos und einer Spitzengastronomie in Australien zustande, die überzeugt vom bayerischen Bier waren, aber noch den passenden Schnaps suchten und Tester zu drei Brennereien – davon zwei Größen in Österreich – aussandten. Die Brauns gewannen und erhalten nun regelmäßig Bestellungen aus Down Under.

Sogar in Australien entdeckt

Von der Masse absetzen, das ist die Devise, mit der Braun bisher gut gefahren ist, „man muss sich seine Nischen suchen“, erzählt er. Das sind Braun’sche Spezialitäten wie die „Ortenburger Pommeranze“ oder der „Ortenburger Goldbrand“, fassgelagerte Brände, die in ihrer Klimakammer ruhen, oder Trends wie der Bierlikör.

Das ganze Jahr über ist mittlerweile Brandzeit bei Brauns, angefangen vom Most, der Anfang des Jahres zu Mostbrand wird, über Pommeranzen, Haselnüsse, Waldhimbeeren, Kirchen im Sommer bis hin zu Pampelmusen. All diese feinen Zutaten werden in der hochwertigen Schnapsbrennanlage in Brunndobl zu Edelobstbrand verarbeitet. Da ist die feine Nase von Roland Braun gefragt. Denn das, was aus dem Kessel läuft, ist nur zu einem Teil tatsächlich genießbar. Vor- und Nachlauf müssen weggekippt werden. Und wann der wertvolle „Mittellauf“ kommt, muss der Schnapsfachmann „einfach wissen, wann es so weit ist“, erklärt Roland Braun.

Kapazitätsgrenze erreicht

Nach der letzten großen Erweiterung vor fünf Jahren stößt der Betrieb schon wieder an die Grenzen. Die Brauns überlegen, das Verschlussbrennrecht, das ist unbegrenzte Literzahl, zu beantragen. Doch das ist kompliziert und teuer. Die Nachfolge ist so gut wie geregelt:  Auch Sohn und Schwiegertochter begeistern sich für die Kunst des Brennens. Sollten auch sie sich für das Hobby als Beruf entscheiden, wäre die Arbeitsagentur gefragt, „nach oben sind wir bestimmt offen“, sagt Roland Braun.

Edelobstbrennerei Braun

Roland Braun,
Brunndobl 19
94496 Ortenburg-Holzkirchen

https://braun-edle-braende.de

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