Erfand 2008 den Holzvergaser: Walter Schätzl.

Energiegewinnung weltweit

Anlagen, die auf effiziente Art und Weise aus Holz Strom und Energie gewinnen – mit dieser Idee erobert Tüftler Walter Schätzl mit seinem Team den internationalen Markt. Und so ist es denn auch keine Übertreibung, wenn Landrat Franz Meyer beim Besuch im Rahmen der Wirtschaftswoche 2017 die „Holzenergie Wegscheid“, mittlerweile in Sonnen ansässig, „einen innovativen Zukunftsbetrieb“ nannte.

„Als Hobby“ hatte Schätzl 2008 mit seinem Schwager Erhard Resch einen Holzvergaser ausgetüftelt und gebaut, um den Rohstoff Holz, gerade im Wegscheider Land reichlich vorhanden, zu nutzen und in Energie und Wärme umzuwandeln. Der Nachbarbetrieb in Wegscheid war der erste Kunde und der Beginn einer beachtlichen Entwicklung. 2009 wurde der Prototyp installiert, die Anlage arbeitet noch heute, davon konnte sich auch die Besuchergruppe in Kasberg bei Wegscheid ein Bild machen. Die „Vorrichtung zum Trocknen schüttgutförmiger Biomasse sowie Biomassevergasungsanlage“ wurde 2015 patentiert. Ein nächstes Patent ist in Arbeit.

2010, so erzählte berichtete Geschäftsführer Schätzl, wurde die erste Anlage verkauft. Das Interesse wuchs. Anlagen von Holzenergie Wegscheid beheizen das Erlebnisbad in Bamberg, dienen der Heizschnitzeltrocknung in Bayreuth, versorgen in Kelheim ein Altenheim mit Energie oder ein Wellnesshotel in Freudenstadt. Mittlerweile liefert das Unternehmen, das zurzeit 73 Mitarbeiter beschäftigt, seine Anlagen hauptsächlich ins Ausland. Malaysia und andere asiatische Länder nannte der Erfinder als Abnehmer, aber auch Kanada, Lettland oder Kroatien. Deutsche Technologie als Markenzeichen werde geschätzt. Der Unternehmer berichtete von seiner jüngsten Erfahrung in Malaysia: Das Angebot, einen günstigeren Motor aus China in der Anlage zu verbauen, wurde abgelehnt, „sie wollen in Deutschland gefertigte Produkte“, betonte Schätzl.

Das neue Energieeinsparungsgesetz 2014, das die Einspeisevergütung alternativer Energien drastisch senkte, brachte zunächst schwierige Zeiten für das Unternehmen aus Sonnen, „die Aufträge gingen auf Null“. Es war, so der Unternehmer, „eine katastrophale Signalwirkung“. Nach einem halben Jahr sei jedoch vor allem von ausländischen Kunden erkannt worden, dass die Entscheidungen politischer Natur waren, und mit Holzvergasungs-Anlagen nicht nur umweltfreundlich und ressourcensparend Strom erzeugt, sondern die Wärme auch gut genutzt werden kann. Der Umsatz, der im kritischen Jahr nicht einmal die Million erreichte schnellt seither nach oben. 2017 liegt er voraussichtlich bei rund 30 Millionen Euro.

2014 zog Holzenergie Wegscheid wegen Platzmangels nach Sonnen, wo sich Bürgermeister Hans Binder „stolz auf dieses Unternehmen“ zeigte. Doch schon reicht der Platz wieder nicht mehr aus. Zum einen steigt die internationale Nachfrage, zum anderen setzt Unternehmer Schätzl auf noch mehr eigenes Know-How: die Schaltschränke will Holzenergie Wegscheid künftig selbst planen, bauen und programmieren, den V8-Motor selbst herstellen, in Serienfertigung ging gerade ein Schneckenhacker, der das Holz auf die erforderliche Größe bringt, das Patent für einen verbesserten Heizgasfilter ist angemeldet. Ab 2018, so erklärte Walter Schätzl, „wollen wir den Großteil des Blockheizkraftwerks selber produzieren“.

Nicht die Zahlen alleine beeindruckten die rund Besucher, darunter neben LfA-Vorstandsmitglied Hans Peter Göttler, Handwerkskammer-Vizepräsident Richard Hettmann, IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbarth sowie Vertreter von verschiedenen Banken und Kreditinstituten aus der Region, sondern die Erfolgsgeschichte, die der innovative Unternehmer innerhalb weniger Jahre geschrieben hat. Seine Arbeitsphilosophie hat er in der Fertigungshalle groß an die Wand schreiben lassen: „Immer wenn Aristoteles eine neue Idee hatte, ließ er einen Ochsen schlachten. Seitdem haben alle Ochsen Angst vor neuen Ideen“.

Das Unternehmen

Holzenergie Wegscheid
Haselberg 3
94164 Sonnen

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