Vier Generationen

Über 3400 Betriebe, 15 000 Beschäftigte, ein jährlicher Umsatz von rund eineinhalb Milliarden Euro. Kein Landkreis in Niederbayern und der Oberpfalz hat ein so starkes Handwerk wie Passau, der damit „der Handkwerker-Landkreis “ ist. „Ein Prädikat, das wir dankbar annehmen“, so Landrat Meyer in der Schreinerei Renaltner in Ruhstorf. Hier fand der „Tag des Handwerks“ im Rahmen der Wirtschaftswoche im Landkreis Passau statt (siehe auch “Schülerdialog” in Tittling, hier)

Schreinerei in vierter Generation

Handwerk hat Zukunft, das zeigt sich auch in der gastgebenden Schreinerei Renaltner in Ruhstorf/Blumenau. Vor über 100 Jahren wurde das Familienunternehmen in Sulzbach am Inn gegründet. 1971 zog Max Renaltner, der damalige Chef und heutige Senior, aus Platzgründen um nach Ruhstorf, wo er im Ortsteil Blumenau einen neuen Standort für den Handwerksbetrieb fand. Und es ging bergauf, wie der Seniorchef erzählt. In den 70er Jahren herrschte Bauboom in Bad Füssing, auch in München war damals schon Handwerkerqualität aus Niederbayern gefragt. Ein Erfolgsrezept: „Die Familie hat immer zusammengehalten!“

Das zeigte sich einmal mehr am „Tag des Handwerks“, wo rund 30 Gäste den Betrieb bewunderten. Die ganze Familie Renaltner mit Ehefrauen und Töchtern packten mit an und sorgten für ein ausgezeichnetes Catering.

Längst ist bei Renaltner die vierte Generation an der Spitze, worauf der Seniorchef sehr stolz ist (“wenn das nicht geklappt hätte, es hätte mir das Herz gebrochen”).

27 Mitarbeiter und breites Angebot

Markus Renaltner (44) dachte jedoch nie daran, nicht in den väterlichen Betrieb einzusteigen, wie er betonte. Er hat eine Schreinerlehre absolviert, das Fachabitur nachgeholt, nach einem Innenarchitekturstudium schließlich noch die Meisterprüfung abgelegt, für die er mit dem Meisterpreis der Staatsregierung ausgezeichnet wurde, er ist in der Schreinerinnung und in diversen Fachverbänden aktiv.

Die Firma Max Renaltner GmbH beschäftigt ca. 30 Mitarbeiter. Und sie bietet sichere Arbeit, wie der Chef betonte. Denn längst wurde das Leistungsspektrum erweitert, womit wiederum saisonale Einbrüche ausgeglichen werden können. Geboten wird klassischer Möbelbau über Glasbau wie Wintergärten für jeden Anspruch oder Glasfassaden bis hin zum Innenausbau. Da gibt’s Arbeit mehr als genug. Insofern ist Renaltner stolz darauf, “dass wir noch nie in der Firmengeschichte jemanden wegen schlechter Auftragslage entlassen mussten.”

“Keine gescheiten Handwerker?”

Das Einzugsgebiet der Ruhstorfer Handwerker liegt rund 300 Kilometer um den Standort. Auch in den Ballungszentren München und Nürnberg, wo die Firma ein Vertriebsbüro unterhält, ist Renaltner aktiv — und gefragt, wie der Chef den Besuchern berichtete. Die Frage, „haben die dort oben eh keine gescheiten Handwerker“ beantwortete er selbst: Die Niederbayern punkten mit Zuverlässigkeit und Einsatzfreude („wir fahren um 5 Uhr hier weg und fangen um 7 Uhr an, die Münchner kommen um 9 Uhr daher“) sowie fairen Preisen und gibt Aufträge nicht an irgendwelche Subunternehmer weiter.

Firmen wie Renaltner schauen auf ihre Leute, können persönliche Belange berücksichtigen, sind bemüht, Sicherheit zu bieten, zahlen Tariflöhne. Außerdem ist der Beruf abwechslungsreich und alles andere als monoton wie in der Industrie.



		
Traumberuf Schreiner

Das ist auch ein Grund, warum Michael Steinhofer (17), sich für eine Schreinerlehre entschied, „schon in der ersten Klasse wollte ich Schreiner werden“, erzählt der Auszubildende im zweiten Jahr. Würden doch mehr junge Leute so denken wie Michael!  Der Trend sieht leider anders aus: 2013, so Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber, sei die Zahl der Schulabgänger, die ein Studium begannen, erstmals höher gewesen als die der Ausbildungs-Anfänger. Die Handwerkskammer ist der Ansicht, dass viel Potenzial verloren geht, weil Kinder — und ihre Eltern, die wichtigsten Berater bei der Berufswahl — oft gar nicht wissen, welche Chancen das Handwerk bietet, und vielfach auch gar nicht in Betracht ziehen, ob die Begabung nicht eher der praktischen Arbeit entspricht. Ausprobieren kann man das zum Beispiel in den Werkstätten der Bildungszentren, die die Handwerkskammer unter anderem in Passau und Vilshofen eingerichtet hat. Hier lassen sich intensiv und gut betreut Traumjobs nicht nur anschauen, sondern auch ausprobieren.

Imagekampagne fürs Handwerk

Die Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz fordert nun in einem Plädoyer, das an diesem Tag erstmals veröffentlicht wurde, dass diese Berufsfindung auch in den Lehrplänen von Real- und Wirtschaftsschulen sowie Gymnasien verankert wird („Plädoyer für eine systematisierte Berufsorientierung“).

Was das Bildungszentrum der Handwerkskammer in Passau bietet, ist in einem Imagefilm zu sehen. Der Film, den Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer vorstellte, begleitet Schülerinnen und Schüler der Heimvolksschule Fürstenzell bei ihrem Praktikum und zeigt ihre Erfolgserlebnisse.

Außerdem hat die Handwerkskammer eine Imagekampagne gestartet, um mehr junge Leute für eine Lehre zu interessieren: https://www.lehrlinge-fuer-bayern.de

Das Unternehmen

Max Renaltner GmbH
Blumenauweg 6
94099 Ruhstorf a. d. Rott

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